Infektiöser Durchfall:

Infektiöse Durchfälle können durch Viren, Bakterien und Parasiten verursacht werden. Die meisten klinischen Kälberdurchfälle (75-95%) werden durch Ein- oder Mehrerregerinfektionen mit E.Coli, Rota- und Corona-Viren oder Kryptosporidien ausgelöst.

Anhand des Alters der Kälber zu Beginn der Erkrankung kann der Erreger relativ sicher bestimmt werden:

 

Aus dem Alter des Kalbes bei Auftreten der Durchfallerkrankung lassen sich Hinweise auf die Art der Infektionserreger ableiten (Kaske, M. u. Kunz, H.-J., „Handbuch Durchfallerkrankung“,Kamlage Verlag, 2003).

Virusinfektion:

Rota-Corona-Virus-Infektion:

Rota-Viren bilden eine Gattung innerhalb der Familie der Reoviridae. Es sind unbehüllte, spärische Viren mit einer doppelsträngigen RNA.

Corona-Viren gehören zu der Familie der Coronavididae mit nur einer Gattung an, sie besitzen eine einsträngige RNA, sind kugelförmig und zeichnen sich als ein behülltes Virus aus.

Die Übertragung erfolgt über Kot oder über mit Kot verunreinigter Tränke auf oralem Wege. Ein Gramm Kot kann bis zu 10 Milliarden Viren enthalten und die Inkubationszeit beträgt 24 Stunden.

Kälber erkranken in der Regel nicht in den ersten Lebenstagen, da sie zunächst durch das Kolostrum ausreichend Antikörper (Ig) aufgenommen haben. Erst in der Phase des Wechsels zwischen passiver und aktiver Immunität, zwischen dem 7. & 14. Lebenstag, kommt es vermehrt zu klinischen Infektionen, die bei 3-8 Tagen liegt.

Bei Infektionen mit Rota-Viren ist vor allem der Dünndarm und speziell die Villuszellen der Darmzotten betroffen. Bei einer Infektion mit Corona-Viren hingegen sind neben dem Dünndarm auch die Epithelzellen des Dickdarms betroffen. Hinzu kommt, dass Corona-Viren eine Neigung zeigen, auch die Atemwege zu befallen und inzwischen häufig auch Teil einer Mischinfektion sind, wodurch viele infizierte Kälber auch Symptome von Atemwegserkrankungen aufweisen.

Beide Erreger lassen sich leicht über den Kot der Tiere noch bis 10 Tage nach Einsetzen des Durchfalls nachweisen.

Virale Infektionserreger lassen sich nicht mit Antibiotika behandeln, weshalb das Augenmerk auf die Bekämpfung der Symptome gelegt wird. Das bedeutet zum einen den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt auszugleichen und zum anderen die Entzündung der Darmschleimhaut (Enteritis) durch nicht–steroidale Antiphlogistika zu behandeln.

BVDV (Bovine Viral Diarrhea Virus, Bovine Virusdiarrhoe) und MD (Mucosal Disease)

In Deutschland besteht für die Erkrankung Anzeigepflicht nach dem Tiergesundheitsgesetz (TierGesG). Seit dem 1. Januar 2011 besteht in der Bundesrepublik Deutschland eine Pflichtsanierung der BVD/MD. Rechtsgrundlage ist die BVDV-Verordnung des Bundes, die sich an alle Betriebe richtet, die Rinder halten.

Bei den Erregern der BVD handelt es sich um ein unbehülltes RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae. Es muss zwischen zwei Genotypen, dem nicht-zellschädigendem (nicht zytopathisch) BVD-1 und dem zellschädigendem (zytopathisch) BVD-2 unterschieden werden.

Die Tenazität der Erreger ist relativ gering und sie lassen sich gut mit Desinfektionsmittel inaktivieren.

Die Typ-1-Infektion verursachen in der Regel keinen Kälberdiarrhoe im engeren Sinne, sondern vielmehr eine Immunsuppression bei Kälbern, die zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Durchfall und Lungenerkrankungen führt.

Die Typ-2-Infektion ist durch eine schwere Verlaufsform gekennzeichnet und kommt mit starken grippeartigen Symptomen und Durchfällen einher. Das klinische Bild ist charakterisiert durch eine erhöhte Blutungsneigung mit zum Teil schwerem, blutigem Durchfall. Es konnten bei Kälbern Verluste von 30-40% beobachtet werden.

Des Weiteren kann der Bovine Virus Diarrhoe zu Mucosal Disease führen. Hierbei infizieren sich die Mutterkühe während des ersten Drittels der Trächtigkeit mit dem BVD-Virus, wodurch der noch nicht immunkompetente Fötus den Virus nicht als fremdes Antigen erkennt. Diese Kälber sind lebenslänglich infiziert und scheiden den Virus permanent aus. Dabei spricht man von einer persistenten Infektion (PI). Die infizierten Tiere werden als PI-Tiere bezeichnet. Einige dieser Kälber sind nach der Geburt lebensschwach, überwiegend sind sie jedoch nicht auffällig. Die Mehrzahl der Tiere erkrankt erst zwischen dem 6. Und 24. Lebensmonat. Hierbei kommt es zu hochgradigen Schleimhautveränderungen im Verdauungstrakt. Diese Tiere fallen häufig durch Erosionen am Zahnfleisch, verminderter Futteraufnahme und unstillbarem blutigen Durchfall auf.

Bakterielle Infektion:

Escherichia Coli (E.coli):

E.coli gehört der Familie der Darmbakterien (Enterobakterien) an.  Es handelt sich um ein gramnegatives, säurebildendes und stäbchenförmiges Bakterium, welches zur normalen Darmflora von gesunden Menschen und Tieren gehört.

Die meisten Stämme von E. coli sind nicht pathogen und damit harmlos. Einige Serotypen spielen jedoch eine wichtige Rolle bei Erkrankungen innerhalb und außerhalb des Darms. In Wirten mit Immunschwäche ist E. coli ein opportunistischer Erreger, was bedeutet, dass dieser erst durch die Schwächung des Organismus wirksam werden kann.

Zu den bedeutendsten Krankheiten beim Rind, die von E.coli ausgelöst werden, gehören die Kälberdiarrhoe, Blutvergiftung und die Coli-Mastitis.

Eine besondere Rolle bei Kälbern nimmt der Enterotoxische E.coli (ETEC) ein, der Toxine bildet und häufiger Auslöser von Kälberdurchfällen ist.

ETEC Erkrankungen beim Kalb treten meist in den ersten Lebenstagen auf.

Maßnahmen gegen ETEC und weitere E.coli Infektionen:

  • Verminderung des Infektionsdrucks, Reinigung des Abkalbebereiches und der Kälberboxen
  • Nabeldesinfektion
  • Maximierung des Immunschutzes durch frühe Kolostrumgabe (auch um ggf. Mutterschutzimpfungen wirksamer zu machen)

Im Hinblick auch letztere Maßnahmen muss darauf hingewiesen werden, das sich speziell E.coli alle 30 Minuten verdoppelt.

Folgende Tabelle zeigt, dass bereits nach 12,5 Stunden nach 25 Teilungen der Bakterien aus einem einzigen E.coli Bakterium über 33 Millionen Bakterien geworden sind.Speziell in Bezug auf das Kolostrummanagement muss man sich demnach im Klaren darüber sein, dass man den Bakterien einen deutlichen Vorsprung ermöglicht, dass Kalb zu „erobern“, je länger man mit der Kolostrumgabe wartet.

Sollte es trotz präventiver Maßnahmen doch zu einer klinischen Infektion mit E.coli kommen, sollte primär der Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich erfolgen und anschließend erst mit einer spezifischen Therapie mit Antibiotikum behandelt werden.

Salmonellose:

Gehören wie auch E. coli zu den Enterobakterien, sind stäbchenförmige, anaerob wachsend und weisen gramnegative Eigenschaften auf. Ihre Tenazität ist hoch, denn sie können auch Monate und Jahre in schlecht gereinigten Ställen überleben.

Salmonellen weisen in der Kälberaufzucht eine eher untergeordnete Rolle auf, sind jedoch auf den Menschen übertragbar und sollten somit als Zooanthroponose nicht außer Acht gelassen werden.

Salmonellen heften sich mittels Filmbrien an die Enterozyten und gelangen durch die Darmschleimhaut in die anliegenden Lymphknoten. Salmonellen sind fakultativ intrazellulär lebende Bakterien, die in Makrophagen überleben. Für den Durchfall spielen speziell Endo- und Enterotoxine eine entscheidende Rolle.

Kälber können in allen Altersklassen an einer Salmonellose erkranken, jedoch sind Neugeborene am anfälligsten.

Infektion durch eine Salmonellose durch:

  • Kontaminiertes Wasser und Futter
  • Infizierte, aber klinisch unauffällige erwachsene Rinder (scheiden die Erreger über den Kot aus)
  • Latent infizierte Rinder, bei denen die Erreger die Lymphknoten persistieren, scheiden die Erreger beispielsweise nur in Stresssituationen aus

Der klinische Verlauf kann sich sehr unterschiedlich zeigen und ist meist abhängig von dem Erreger (Virulenz, Infektionsdosis), dem infizierten Tier (Immunstatus) und der Umgebung (Haltungsbedingungen, Infektionsdruck, Gruppengröße).

Bei neugeborenen Kälbern ist der Verlauf charakterisiert durch hohes Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und führt teilweise nach ein bis zwei Tagen bis zum Tod. Bei älteren Kälbern ist der Verlauf teilweise milder mit leichtem Durchfall, kann aber auch akut mit wässrigem bis blutendem Durchfall auftreten. In Verbindung mit einer Septikämie (Vergiftung) durch die Infektion können sogar Veränderungen an weiteren Organen (Gelenke, Lunge, Gehirn) auftreten. Der Kot dieser Tiere riecht meist faul.

Maßnahmen gegen Salmonellose, siehe  E.coli.

Campylobacter jejuni

Campylobacter jejuni gehört zu den gramnegativen Bakterien der Gattung Campylobacter, die in erster Linie Durchfallerkrankungen verursachen, welche häufig mit Fieber und verdickten Gelenken einhergehen. Die Infektion erfolgt über Verunreinigung in der Umwelt, beispielsweise durch kontaminiertes Wasser, Futter und Milch. Die Inkubationszeit beträgt 2-5 Tage.

Primär sollte der Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich erfolgen und erst anschließend mit einer spezifischen Antibiotikum-Therapie behandelt werden.

Weite Maßnahmen gehen Campylobacter jejuni siehe E.coli.

Clostridiose

Bei Clostridien Erkrankungen handelt es sich beim Kalb meist um eine Infektion mit Clostridium perfringens, welches zur Spezies der Gattung Clostridium gehört. Die Erreger sind anaerobe, sporenbildende und grampositive Bakterien, die verschiedene Toxine produzieren, wodurch sie in verschiedene Typen eingeteilt werden können (Typ A,B,C und D).

Diese Toxine führen beim Kalb zu Vergiftungen, wodurch Nekrosen im Bereich des Dünndarms entstehen und zu akuten und blutigem Durchfall.

Clostridium perfringens vom Typ A kommt auch bei gesunden Kälbern im Darm vor.

Escherichia Coli (E.coli):

Anzahl der Teilungen

Anzahl der Bakterien

Zeit

0

1

0

1

2

30 min

2

4

60 min

3

8

90 min

4

16

120 min

5

32

150 min

6

64

180 min

7

128

210 min

(…)

(…)

(…)

15

32.768

7,5 h

(…)

(…)

(…)

25

33.554.432

12,5